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Pressemitteilungen zur Umfrage "G8/G9 und mehr"


Ergebnisse der wissenschaftlichen Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien NRW e.V.

„G8/G9 und mehr“

Witten, 16.4.2016

1. Auftrag und Aufbau des Fragebogens:

Die Mitgliederversammlung der Landeselternschaft der Gymnasien NRW hat am 16. November 2015 Professor Dr. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld mit der Durchführung einer Mitgliederbefragung zu Akzeptanz und Ausgestaltung von G8 bzw. G9 beauftragt. Die Umfrage beinhaltete zudem weitere Fragen, wie z.B. zur Regelung der Entscheidungskompetenz für den Übergang auf die weiterführenden Schulen, die dem Vorstand der Landeselternschaft eine Grundlage für seine weitere Arbeit liefern sollen.

2. Es wurden 3 verschiedene Umfragen durchgeführt, an denen sich insgesamt über 50.000 Personen beteiligten


eine Onlinebefragung
für Eltern, die ihr Kind noch im Gymnasium haben (verwertbare vollständig ausgefüllte Fragebögen: 26.389)

eine weitere Onlinebefragung für andere Personengruppen wie Lehrer, Schüler, außerschulisches Personal, Schuldirektoren, ehemalige Eltern, interessierte Mitbürger (verwertbare Fragebögen 11.846) sowie

eine postalischen Umfrage, die per Zufall an je 5 Eltern der 462 Mitgliedsgymnasien in Nordrhein-Westfalen verteilt wurde (1310 eingegangene Fragebögen)

Die Resonanz auf die Befragungen war für bildungswissenschaftliche Umfragen extrem hoch: über 50.000 Personen haben an den zwei online-Umfragen teilgenommen und bei der Zufallsstichprobe der postalischen Befragung gab es eine Rücklaufquote von 56,7 %, was ebenfalls für diese Art von Befragungen außergewöhnlich hoch ist.

Die hohe Beteiligung zeigt, dass die Themen um G8 und G9 immer noch eine ganz große Bedeutung für die Eltern besitzen und dass die Debatte darüber nicht beendet werden konnte.

3. 79 % der befragten Gymnasialeltern sprachen sich für das neunjährige Gymnasium aus

In der postalischen Umfrage nach Zufallsprinzip entschieden sich 79 % der Gymnasialeltern für G9, eine Bestätigung der bisherigen Untersuchungsergebnisse repräsentativer Meinungsumfragen im Jahre 2014, die 76 % (Forsa) bzw. 79 % (Emnid für JAKO) festgestellt hatten.

In der online-Umfrage haben sich sogar 88 % der befragten Eltern für eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen.

4. Hohe Befürwortung von G9 auch in anderen Personengruppen

Auch bei Schülern, Lehrkräften an Gymnasien und an anderen Schulen, außerschulischen Lehrxkräften, Grundschuleltern, ehemaligen Eltern und interessierten Mitbürgern wurden in jedem Fall mehr als 70 % (Direktoren von Gymnasien) bis maximal 96,7 % (außerschulische Lehrkräfte - z.B. an Musikschulen) Zustimmung zu G9 registriert.

5. Alternativen zu G9 - wie ein reformiertes G8 und Gesamtschulen mit G9 - erreichen meist nur um 10 % Zustimmung in allen Personengruppen

Die aufgrund der Widerstände gegen G8 beschlossenen Veränderungen finden nur mit geringen Prozentsätzen Beifall. In allen Gruppen ist das „Gymnasium G9 wie früher“ der haushohe Favorit.

6. Lösungsvorschläge der G8/G9-Problematik aus der Sicht der Befragten: bundeseinheitliche Regelungen sind der Favorit

Eltern fürchten u.a., dass G8-Gymnasiasten den Studierenden aus G9-Bundesländern im Studium unterlegen sein könnten. Sie fordern mit rund
60 % bundeseinheitliche Regelungen oder aber Wahlmöglichkeiten zwischen G8 und G9 je Schule bzw. je Schüler. Zudem ist ein überwiegender Teil der Befragten der Meinung, dass die Persönlichkeitsent-wicklung der G8-Schüler und -Schülerinnen zu kurz komme.

7. Wie unterscheiden sich Eltern, die G8 bzw. G9 befürworten?

Es besteht in allen drei Umfragen die Möglichkeit Eltern miteinander zu vergleichen, die G8 bzw. G9 befürworten. Hierbei gibt es in drei inhaltlichen Bereichen deutliche Unterschiede.

a. G9-Befürwortung der Eltern bildet sich schon im Grundschulalter des Kindes

Die Entscheidung für G8 und G9 bildet sich offenbar sehr früh, d.h. bereits Grundschuleltern sind in der Frage G8 und G9 aktiviert (knapp 6000 Teilnehmer in dieser Gruppe), weil sie frühzeitig Klarheit über den weiteren Schulweg ihrer Kinder benötigen. Grundschuleltern befürworten zu 93,4 % ein G9. Je näher das Abitur kommt, desto größer ist die Anhängerschaft für G8, bleibt aber fast immer nur 1/3 so hoch wie die G9 Befürwortung.

b. Eltern sind eher für G8, wenn ihr Kind in der Schule gut ist

Es gibt einen deutlichen, wenngleich nicht ausnahmelosen Zusammenhang zwischen Erfolg des Kindes in der Schule, der Anstrengung und Belastung des eigenen Kindes und der Befürwortung von G8 und G9.

G8 ist nach den Umfrageergebnissen für jene Eltern attraktiv, deren Kind keine Probleme in der Schule hat, also weder Nachhilfe braucht, noch sich mehr anstrengen muss, noch sich belastet fühlt, noch besonders viel Zeit für die Erledigung der schulischen Anforderungen benötigt.

c. Eltern von Mädchen befürworten eher G9 als Eltern von Jungen

Bemerkenswerterweise gibt es auch einen geschlechtsspezifischen Effekt. Die G9 Befürworter sind etwas öfter Eltern von Töchtern. Wenn Väter den Fragebogen über einen Sohn ausfüllen, dann steigt der Prozentsatz von G8-Befürwortern auf über 70 % - allerdings ist dies absolut gesehen nur eine sehr kleine Gruppe, da der Fragebogen meist von den weiblichen Erziehungsberechtigten ausgefüllt wurde. Aber auch bei diesen gibt es einen Unterschied in der G8- und G9-Befürwortung. Für Jungen wird eher G8 empfohlen als für Mädchen.

8. Im Zweifelsfall Test beim Übergang zur weiterführenden Schule

Deutlich über 50 % der Gymnasial- sowie der Grundschuleltern (!) favorisieren einen standardisierten Test für den Übergang auf die weiterführende Schule, wenn Elternwille und das Gutachten der Grundschule auseinanderfallen, nur knapp über 22 % beanspruchen die Entscheidungsgewalt allein für sich.

9. Organisation des Schulalltags im Meinungsbild von Eltern

Die Elternschaft der Gymnasien NRW e.V. hat die Umfrage nicht nur genutzt, um die Mehrheitsverhältnisse von G8- und G9-Befürwortung zu ermitteln, sondern auch um einige aktuelle Lösungen der zeitlichen Schulorganisation zu klären.

Beispiele:

Eltern

- präferieren mit großen Mehrheiten freiwillige (offene) Ganztagsangebote (selbst wenn ihr Kind in einer Schule mit gebundenem Ganztag unterrichtet wird),

- halten Hausaufgaben für sinnvoll,

- wollen ein Schulende gegen 14 Uhr, ein Hausaufgabenende gegen 16 Uhr,

- nehmen wahr, dass die von ihnen gewünschten Freizeittätigkeiten für die Kinder durch Schule eingeschränkt werden,

- wählen und empfehlen das Gymnasium vorrangig aus Qualitätsgründen,

- könnten sich auch eine längere als die übliche 45 Min-Schulstundentaktung vorstellen,

- wünschen umfassende Informationen über den Unterrichtsausfall, - auch wenn sie schon informiert werden.

Diese Pressemitteilung als pdf finden Sie hier.

 

Und was nun?

Witten, 16.04.2016

Wir sind als Vorstand mit einer neutralen Einstellung an die Frage herangegangen, da wir endlich eine belastbare Basisbefragung ermöglichen wollten.

Die positiven Meldungen des Ministeriums über G8 in NRW und die Umsetzung der Ergebnisse des sog. „runden Tisches“ standen im Widerspruch zu den Rückmeldungen aus unseren Mitgliedsschulen.

Die Entscheidung der Politik für G8 und die Umsetzung dieser Entscheidung hat eine große Mehrheit der Betroffenen offensichtlich auch trotz „Nachbesserung“ nicht überzeugen können.

Auch für den Vorstand der LE sind einige Ergebnisse der Umfrage überraschend und bedürfen noch der genaueren Analyse bzw. Bewertung.

Wesentlich ist für die LE die Qualität des Gymnasiums bzw. der Schulen allgemein, d.h. für uns: Gute Lehrpläne und gute Lehrer in ausreichender Zahl.

Eine offensichtlich gewünschte Rückkehr zur längeren gymnasialen Schulzeit sollte jetzt verbunden werden mit einer Diskussion über die wichtigen Lehr-/Lerninhalte und über eine gute Lösung für alle, die mit G8 gut zurecht gekommen sind.

Die Landeselternschaft der Gymnasien NRW e.V. wird sich als Interessenvertretung der Gymnasial-Eltern parteipolitisch unabhängig mit unserer Ministerin und den politischen Kräften in unserem Land nunmehr dafür einsetzen, den doch eindeutigen Elternwillen konstruktiv umzusetzen.

Diese Pressemitteilung als pdf finden Sie hier.

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