Landeselternschaft der Gymnasien in NRW begrüßt die Förderung von Mehrsprachigkeit, warnt jedoch vor einer Aufteilung von Schülerinnen und Schülern nach Herkunftssprache
Die Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen (LE Gym NRW) begrüßt das Ziel des Antrags von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen, die Mehrsprachigkeit an Schulen zu stärken. Aus Sicht der Elternvertretung bietet Mehrsprachigkeit große Chancen für die persönliche Entwicklung junger Menschen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig sieht die LE Gym NRW einzelne Vorschläge des Antrags kritisch: „Kinder, die mehrere Sprachen auf hohem Niveau beherrschen, erwerben wertvolle Kompetenzen für ihre Bildungs- und Berufswege sowie für ein erfolgreiches Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft“, erklärt der Vorsitzende der LE Gym NRW, Dr. Oliver Ziehm. „Deshalb unterstützen wir ein breites und qualitativ hochwertiges Sprachenangebot an unseren Schulen.“
Die Landeselternschaft betont jedoch, dass die Förderung von Mehrsprachigkeit nicht zulasten der deutschen Sprache erfolgen dürfe: „Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die Voraussetzung für Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Deshalb kann die Förderung der deutschen Sprachkompetenz nicht lediglich eine zentrale Aufgabe unter mehreren sein – sie ist die zentrale Aufgabe von Schule“, so Ziehm. „Nur wer Deutsch sicher beherrscht, kann dem Unterricht folgen, sich aktiv einbringen und die Chancen unseres Bildungssystems nutzen.“
Kritisch bewertet die LE Gym NRW zudem die im Antrag angekündigte Prüfung von Regelungen zur Leistungserfassung bei unzureichenden Deutschkenntnissen: „Wir erwarten von den Antragstellern eine klare Erläuterung, was konkret mit solchen Regelungen gemeint ist“, fordert Ziehm. „Leistungsbewertungen müssen transparent, nachvollziehbar und für alle Schülerinnen und Schüler fair bleiben.“
Besonders deutlich lehnt die LE Gym NRW die vorgeschlagene Möglichkeit von Oberstufen-Projektkursen in Erstsprache ab, sofern diese nicht gleichermaßen für Schülerinnen und Schüler offenstehen, die die betreffende Sprache als Fremdsprache erlernen: „Mehrsprachigkeit zu fördern darf niemals bedeuten, Kinder nach ihrer Herkunft oder ihrer Familiensprache zu sortieren. Schule muss verbinden und integrieren – nicht trennen“, betont Ziehm.
Die Landeselternschaft sieht darin die Gefahr, einen Grundsatz des deutschen Bildungssystems aufzuweichen. „Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft müssen die einzigen Kriterien bleiben, nach denen unsere Kinder in der Schule eingeteilt werden. Wenn Bildungsangebote an Herkunft oder Familiensprache geknüpft werden, verlassen wir diesen Grundsatz.“
Mit Sorge blickt die LE Gym NRW auf die möglichen langfristigen Auswirkungen einer solchen Entwicklung. „Eine einmal geöffnete Tür kann in einer anderen politischen Konstellation weit aufgerissen werden. Heute mag es um zusätzliche Angebote gehen, morgen könnten daraus weitergehende Formen der Differenzierung entstehen. Die möglichen Folgen für Integration, Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt möchten wir uns nicht ausmalen. Deshalb müssen wir hier sehr sorgfältig abwägen.“