Bewährtes dreigliedriges Schulsystem erhalten und weiterentwickeln
Die Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen reagiert mit deutlicher Ablehnung auf die Ankündigung von Jochen Ott, Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl 2027, sich vom Schulfrieden abkehren und das Schulsystem in Nordrhein-Westfalen grundlegend umbauen zu wollen.
Die Landeselternschaft spricht sich ausdrücklich für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium aus.
„Ein bewährtes Schulsystem kann und darf nicht leichtfertig aufgegeben werden“, betont Dr. Oliver Ziehm, Vorsitzender der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW. „Das dreigliedrige Schulsystem bietet für alle Schülerinnen und Schüler passgenaue Bildungswege. Gerade wer sich individuelle Förderung und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Kinder wünscht, sollte ein auf ein Schulsystem setzen, das für jedes Talent die richtige Schule bietet und keine 1. und 2. Klasse Einheitsschule. Erneute bildungspolitische Experimente auf dem Rücken der Kinder lehnen wir entschieden ab.“
Stimmen, die das Grundproblem in einer vermeintlichen Bevorzugung des Gymnasiums sehen, ist aus Sicht der Landeselternschaft entschieden zu widersprechen. Die Ausstattung der verschiedenen Schularten falle regional sehr unterschiedlich aus. Entsprechend sei es ein Trugschluss, anzunehmen, dass Gymnasien überall automatisch die erste Wahl der Eltern seien. Vielmehr zeige sich landesweit ein differenziertes Bild: In vielen Regionen entscheiden sich Eltern bewusst für andere Schulformen, wenn Ausstattung, pädagogisches Konzept und die Qualität der Schulleitung überzeugen und einen guten Ruf genießen.
„Eltern wählen nicht abstrakte Schulformen, sondern konkrete Schulen“, so Ziehm weiter. „Genau deshalb braucht es Vielfalt und Wahlmöglichkeiten – keine weitere Verengung des Systems.“
Die Landeselternschaft warnt vor einer de facto Aufkündigung des Schulfriedens von 2011, in der sich CDU, SPD und Grüne einst versprachen an der Schulstruktur nicht zu rütteln. Der nun von der SPD geforderte Umbau des Schulsystems wird über Jahre viele Lehrer- und Beamtenstunden in endlosen Arbeitsgruppensitzungen etc. auf Schul-, Schulamts-, Bezirksregierungs- und Ministerialebene verschlingen, ohne dass bei den Kindern auch nur eine einzige Stunde Unterricht oder gezielte, individuelle Förderung mehr ankommt. Dabei ist allen Fachleuten längst klar, dass insbesondere letztere im globalen Vergleich den entscheidenden Unterschied ausmacht. Leidtragende unter den ideologischen Kämpfen wären wieder einmal die Kinder.
Zudem zeige der Blick in die Bundesländer, dass zweigliedrige Systeme nicht besser arbeiteten als mehrgliedrige. Damit alle Schüler die Schule mit einem Abschluss verließen, der ihnen den Weg in Ausbildung und Studium ebne, komme es darauf an, das bestehende System zu optimieren. Der deutliche Erfolg der Reformen nach dem ersten PISA-Schock habe gezeigt, dass in dieser Richtung weitergegangen werden müsse. Kinder und Jugendliche entwickeln sich sehr unterschiedlich, haben unterschiedliche Stärken und Bedürfnisse. Ein differenziertes Schulsystem mit verlässlicher Durchlässigkeit zwischen den Schulformen wird dieser Realität deutlich besser gerecht.
Die stellv. Vorsitzende der LE Gym NRW, Selma Cakir ergänzt: „Bildungspolitische Entscheidungen müssen sich am Kindeswohl und an der Bildungsrealität orientieren, nicht an abstrakten Strukturmodellen. Kinder verfügen über unterschiedliche Begabungen, Lerntempo und Entwicklungsverläufe. Ein differenziertes und durchlässiges Schulsystem trägt diesen Unterschieden Rechnung und gewährleistet verlässliche Bildungswege für Schülerinnen und Schüler sowie Planungssicherheit für Familien.“
Die Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen appelliert daher an die Bildungspolitik, Bewährtes zu stärken, gezielt weiterzuentwickeln und ideologiefreie Lösungen in den Mittelpunkt zu stellen – immer mit dem Wohl der Kinder und Jugendlichen als oberstem Maßstab.